Die erste eigene Wohnung ist aufregend und gleichzeitig ein echter Bürokratiemarathon. Mietvertrag unterschreiben, Kaution überweisen, Gemeinde informieren, Versicherungen abschliessen – und das alles oft in wenigen Wochen. Damit dir nichts Wichtiges entgeht, findest du hier eine vollständige Anleitung, die dich von der Wohnungsbesichtigung bis zum ersten Monat in der neuen Wohnung begleitet.
Schritt 1: Die Wohnungsbesichtigung und Bewerbung
Bevor du überhaupt einen Mietvertrag unterschreibst, läuft in der Schweiz oft ein kompetitiver Bewerbungsprozess. Auf Onlineplattformen wie Homegate, ImmoScout24 oder comparis.ch findest du die meisten Inserate. Für die Bewerbung braucht ein Vermieter oder eine Verwaltung typischerweise:
- Ausgefülltes Bewerbungsformular (mit Personalien, Einkommen, aktuellem Wohnverhältnis)
- Betreibungsregisterauszug (nicht älter als 3 Monate), zeigt ob du Schulden oder laufende Betreibungen hast
- Lohnausweise oder Einkommensnachweis der letzten 1–3 Monate
- Ausweiskopie (Pass oder Identitätskarte)
- Manchmal: Referenz des bisherigen Vermieters
Der Betreibungsregisterauszug ist für viele der erste Kontakt mit dieser Behörde. Du kannst ihn beim Betreibungsamt deiner aktuellen Wohngemeinde beantragen – in den meisten Gemeinden online, per Post oder am Schalter. Die Kosten sind überschaubar und es dauert einige Werktage.
Schritt 2: Den Mietvertrag verstehen
Du hast eine Zusage erhalten – herzlichen Glückwunsch! Jetzt kommt der Mietvertrag. Lies ihn sorgfältig durch, bevor du unterschreibst. Auf folgende Punkte solltest du besonders achten:
Mietdauer und Kündigungsfristen
Handelt es sich um einen unbefristeten oder befristeten Mietvertrag? Welche Kündigungsfrist gilt und auf welche Termine (z. B. monatlich, zum Quartalsende) kannst du kündigen? In der Schweiz ist eine dreimonatige Kündigungsfrist auf Monatsende oder auf einen definierten Termin üblich, aber das variiert.
Mietzins und Nebenkosten
Verstehe, was zum Mietzins gehört und was separat abgerechnet wird. Nebenkosten wie Heizung, Warmwasser, Allgemeinstrom und Hauswartskosten sind oft als Akontobeitrag oder pauschal separat ausgewiesen. Am Jahresende folgt bei Akonto eine Abrechnung; du bezahlst dann die Differenz oder erhältst eine Rückerstattung.
Haustiere und Untervermietung
Steht etwas zu Haustieren im Vertrag? Brauchst du Erlaubnis? Darf die Wohnung untervermietet werden (z. B. für kurze Absenzen)? Das sind Punkte, die manchmal vergessen werden und später zu Konflikten führen können.
Nutzung und Eigenleistungen
Was darf verändert werden (Wände streichen, Bohrungen)? Was muss bei Auszug rückgängig gemacht werden? Lies die Hausordnung, die oft dem Vertrag beigelegt ist.
Schritt 3: Kaution und Übergabeprotokoll
Mietkaution
In der Schweiz ist eine Kaution bis zu drei Monatsnettomieten üblich. Das Geld muss auf ein gesperrtes Bankkonto (Mietkautionskonto) eingezahlt werden – du bekommst es nach Auszug zurück, sofern keine Schäden oder offene Forderungen bestehen. Weder du noch der Vermieter können frei über dieses Geld verfügen; es liegt auf einem separaten Konto auf deinen Namen.
Alternativ gibt es Kautionsversicherungen (z. B. über Firstcaution oder Swisscaution), bei denen du eine jährliche Prämie zahlst und keine grosse Summe auf einmal blockieren musst. Das ist praktisch, wenn das Kapital fehlt, aber langfristig teurer als ein klassisches Kautionskonto.
Übergabeprotokoll
Beim Einzug macht ihr gemeinsam (Mieter + Vermieter/Verwaltung) eine Wohnungsübergabe. Dabei wird der Zustand jedes Raums im Übergabeprotokoll festgehalten: Böden, Wände, Fenster, Geräte, Schlüssel. Halte jeden Mangel, der bereits vorhanden ist, schriftlich und wenn möglich mit Fotos fest. Sonst kannst du beim Auszug für Schäden haftbar gemacht werden, die nicht von dir stammen.
Schritt 4: Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle
In der Schweiz bist du verpflichtet, dich innerhalb von 14 Tagen nach dem Einzug bei der Einwohnerkontrolle (je nach Gemeinde auch Einwohnermeldeamt oder Einwohnerdienste) deiner neuen Gemeinde anzumelden. Was du dafür brauchst:
- Ausweisdokument
- Mietvertrag oder Wohnungsnachweis
- AHV-Ausweis (sofern vorhanden)
- Bei ausländischer Staatsangehörigkeit: Ausländerausweis oder entsprechende Dokumente
Gleichzeitig musst du dich bei der alten Gemeinde abmelden – in vielen Kantonen funktioniert das direkt beim Anmeldeprozess in der neuen Gemeinde mit, ohne dass du extra einen Brief verschicken oder die alte Gemeinde besuchen musst. Kläre das kurz vorab auf der Website deiner neuen Gemeinde.
Die Anmeldung ist wichtig, weil daran viele weitere Dinge hängen: Steuerpflicht, Stimmrecht, Schulplatzzuteilung, Post-Weiterleitung und vieles mehr.
Schritt 5: Adressänderungen mitteilen
Nach der offiziellen Ummeldung bei der Gemeinde gibt es eine ganze Liste von Stellen und Institutionen, die deine neue Adresse brauchen:
- Krankenkasse
- Arbeitgeber (damit die Lohnabrechnung korrekt ist und kantonale Steuertarife stimmen)
- Post (Nachsendeauftrag oder direkte Adressänderung)
- Banken und Finanzinstitute
- AHV-Ausgleichskasse, Pensionskasse
- Steuerverwaltung (falls du schon eine offene Steuerperiode hast)
- Abonnements (Zeitung, Streamingdienste, Mobilfunk)
- Fahrzeugkontrolle (Fahrzeugausweis, Versicherungspolice)
- Hausarzt und Zahnarzt
Das wirkt wie eine überwältigende Liste, aber die meisten Änderungen lassen sich heute online in wenigen Minuten erledigen. Ein gesammelter „Adressänderungs-Nachmittag" kurz nach dem Einzug ist effizient und verhindert, dass du wichtige Post an der alten Adresse verpasst.
Schritt 6: Versicherungen – was ist Pflicht, was sinnvoll?
Für eine Mietwohnung brauchst du grundsätzlich zwei zentrale Versicherungen:
Hausratversicherung
Sie deckt deinen Hausrat (Möbel, Kleider, Elektronik, Fahrräder) bei Schäden durch Feuer, Wasser, Einbruchdiebstahl und ähnliche Ereignisse ab. In den meisten Kantonen ist sie für Mieter nicht gesetzlich vorgeschrieben, manche Vermieter verlangen sie aber vertraglich. Unabhängig davon ist sie sehr empfehlenswert – schon ein Einbruch oder ein Wasserschaden kann schnell zu Schäden im fünf- oder sechsstelligen Bereich führen.
Privathaftpflichtversicherung
Sie deckt Schäden ab, die du unbeabsichtigt Dritten zufügst – also wenn du z. B. beim Velofahren jemanden anfährst, eine geliehene Kamera zerstörst oder in der Wohnung einen Wasserschaden verursachst, der die Wohnung unter dir trifft. Die Privathaftpflicht ist ebenfalls nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber fast unverzichtbar. Ohne sie kannst du persönlich mit deinem gesamten Vermögen haften – theoretisch bis an dein Lebensende.
Haus- und Privathaftpflichtversicherung werden oft als Kombipaket angeboten und kosten zusammen im Jahr je nach Anbieter und Deckungssumme zwischen etwa 100 und 300 Franken – ein kleiner Betrag im Vergleich zum möglichen Schadensrisiko. Ein separater Beitrag auf meinalltag.ch vergleicht die wichtigsten Anbieter und zeigt, worauf du beim Abschluss achten solltest.
Schritt 7: Strom, Internet und weitere Verträge
Stromanschluss
In der Schweiz ist der Strom in den meisten Regionen noch nicht komplett liberalisiert. Wer dein Stromlieferant ist, hängt meist von deiner Gemeinde ab – viele Mietverhältnisse regeln das automatisch über den Vermieter oder die Verwaltung. Kläre ab, ob du selbst einen Stromvertrag abschliessen musst oder ob der Strom über die Nebenkosten läuft.
Internet und Telefon
Beim Einzug solltest du frühzeitig – idealerweise 2–4 Wochen vor dem Umzug – das Internet-Abo bestellen. Prüfe vorab, welche Anbieter in deiner Strasse verfügbar sind (comparis.ch oder die direkten Anbieter-Websites helfen). Kündige deinen alten Vertrag termingerecht oder frage beim neuen Anbieter nach, ob er eine Übernahme regeln kann.
Kehrrichtsäcke und Recycling
In vielen Schweizer Gemeinden musst du für die Abfallentsorgung offizielle Kehrichtsäcke kaufen. Die gibt es im lokalen Detailhandel (Migros, Coop, Manor etc.) und die Kosten variieren je nach Gemeinde. Informiere dich kurz auf der Website deiner Gemeinde, welche Recycling-Stationen und Entsorgungsanlagen in der Nähe sind.
Erste-Wohnung-Checkliste: Das Wichtigste auf einen Blick
Vor dem Einzug:
- Betreibungsregisterauszug beschaffen
- Mietvertrag sorgfältig lesen (Fristen, Nebenkosten, Haustiere)
- Kaution überweisen (Kautionskonto oder Kautionsversicherung)
- Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung abschliessen
- Internet/Abo frühzeitig bestellen
Beim Einzug:
- Übergabeprotokoll mit allen Mängeln schriftlich festhalten, Fotos machen
- Schlüssel und Übergabedokumente aufbewahren
Innerhalb von 14 Tagen nach Einzug:
- Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle der neuen Gemeinde
- Abmeldung in der alten Gemeinde (oft automatisch)
Danach:
- Adressänderung bei: Arbeitgeber, Krankenkasse, Bank, Post, Steuerverwaltung, Pensionskasse, Fahrzeugkontrolle, Abonnements
Weiterlesen auf meinalltag.ch
- „Mietrecht-Basics: Kündigungsfristen, Übergabeprotokoll und Mängel"
- „Welche Versicherungen brauche ich wirklich in der Schweiz?"
- „Umzug in der Schweiz: Adressänderung, Krankenkasse & Co. im Überblick"