Steuern zahlen ist Pflicht – aber zu viel zahlen nicht. In der Schweiz gibt es zahlreiche legale Möglichkeiten, das steuerbare Einkommen zu reduzieren und damit die Steuerrechnung zu senken. Das Beste daran: Viele dieser Abzüge stehen jedem angestellten Menschen offen, werden aber zu oft vergessen oder nicht konsequent genutzt. Dieser Beitrag zeigt dir zehn konkrete Wege, wie du als angestellte Person in der Schweiz legal Steuern sparst.
Grundprinzip: Abzüge reduzieren das steuerbare Einkommen
Bevor wir zu den einzelnen Massnahmen kommen, kurz das Prinzip: In der Schweiz zahlst du Steuern auf dein steuerbares Einkommen, also auf deinen Bruttolohn minus alle zulässigen Abzüge. Jeder Franken, den du legal abziehst, reduziert die Steuerbasis – und damit die effektiv bezahlte Steuer. Je höher dein Grenzsteuersatz (relevant bei höheren Einkommen oder in bestimmten Kantonen), desto mehr bringt jeder zusätzliche Abzug.
1. Säule 3a maximal ausschöpfen
Der einfachste und wirkungsvollste Abzug für Angestellte. Wer jährlich bis zum gesetzlichen Maximalbetrag in die Säule 3a einzahlt, kann diesen Betrag vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehen. Bei einem mittleren Einkommen und einem durchschnittlichen Grenzsteuersatz ergibt das eine direkte Steuerersparnis von mehreren hundert bis über tausend Franken pro Jahr. Wer jung ist und früh beginnt, profitiert zudem jahrzehntelang vom Zinseszinseffekt bzw. von Aktienrenditen innerhalb der 3a.
2. Einkauf in die Pensionskasse
Wer Beitragslücken in der Pensionskasse hat (z. B. durch Auslandaufenthalte, Studium, tiefes Einkommen in früheren Jahren, Scheidung), kann diese freiwillig mit einem Einkauf auffüllen. Dieser Einkauf ist vollständig vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig – und kann je nach Betrag zehntausende von Franken Steuern sparen. Besonders interessant für Personen ab Mitte 30 oder 40, die bereits ein höheres Einkommen und grössere Lücken haben. Wichtig: zwischen Einkauf und Kapitalbezug aus der Pensionskasse müssen in der Regel mindestens drei Jahre liegen.
3. Berufsauslagen geltend machen
Wer für den Beruf Ausgaben hat, die der Arbeitgeber nicht erstattet, kann diese als Berufsauslagen abziehen. Dazu gehören:
- Fahrkosten: ÖV-Kosten oder (begrenzt) Autokosten für den Arbeitsweg
- Auswärtige Verpflegung: Wenn du nicht zu Hause essen kannst, gibt es eine Pauschale
- Berufswerkzeuge und Fachliteratur: Spezifische Berufsutensilien, Bücher, Software
- Berufskleidung: Wenn du spezifische Schutzkleidung oder Berufskleidung benötigst
Viele Kantone bieten Pauschalabzüge an, die automatisch berücksichtigt werden. Wer höhere effektive Kosten hat, kann diese stattdessen mit Belegen geltend machen. Es lohnt sich, beide Varianten zu vergleichen.
4. Weiterbildungskosten abziehen
Kosten für Aus- und Weiterbildung, die beruflich begründet sind, können in vielen Kantonen abgezogen werden. Seit einigen Jahren gibt es auf Bundesebene einen Abzug für berufsorientierte Weiterbildungskosten bis zu einem bestimmten jährlichen Maximalbetrag. Voraussetzung ist grundsätzlich, dass die Weiterbildung mit deiner aktuellen oder angestrebten Berufstätigkeit zusammenhängt. Kursgebühren, Prüfungsgebühren, Lehrmittel und Reisekosten zu Kursen können geltend gemacht werden.
5. Krankenkasse und Versicherungsprämien
Die Prämien für die obligatorische Krankenversicherung (KVG), private Lebens- und Rentenversicherungen sowie Hausrat- und Haftpflichtversicherungen sind bis zu einem kantonalen Pauschalabzug oder einem effektiven Abzug abzugsfähig. Der genaue Abzugsbetrag ist kantonal unterschiedlich. In den meisten Kantonen werden Versicherungsprämien pauschal abgezogen; wer höhere Prämien hat, kann den Effektivabzug wählen. Verheiratete Paare und Personen mit Kindern profitieren oft von höheren Pauschalabzügen.
6. Krankheits- und Unfallkosten
Medizinische Kosten, die du selbst getragen hast und die einen bestimmten Selbstbehalt übersteigen (in der Regel 5% des Nettoeinkommens), können als Abzug geltend gemacht werden. Dazu zählen: Zahnarztkosten, Spitalaufenthalte, nicht gedeckte Arztkosten, Brillen, Hörgeräte, physiotherapeutische Behandlungen usw. Sammel alle Belege während des Jahres, damit du am Jahresende sofort siehst, ob du die Schwelle überschreitest.
7. Spenden an gemeinnützige Organisationen
Wer an anerkannte, steuerbefreite Non-Profit-Organisationen und gemeinnützige Institutionen spendet, kann diese Beträge in den meisten Kantonen abziehen. Typischerweise gilt ein Mindestspendenanteil sowie ein Maximum (oft 20% des Nettoeinkommens). Wichtig: Die Organisation muss in der Schweiz steuerbefreit sein – halte die Spendenbescheinigungen auf. Das gilt auch für Parteispenden, die in gewissen Kantonen ebenfalls abziehbar sind.
8. Schuldzinsen abziehen
Zinsen auf Schulden – also auch auf Privatkrediten, Leasingverträgen oder Hypotheken – können bis zu einem bestimmten Betrag abgezogen werden. Gleichzeitig müssen Vermögenserträge (Zinsen, Dividenden) zum Einkommen addiert werden. In der Praxis sind Hypothekarzinsen für Wohneigentümer der wichtigste Schuldzinsenabzug. Wer Wohneigentum finanziert, profitiert stark davon.
9. Unterhaltsbeiträge und familienbezogene Abzüge
Wer Unterhaltsbeiträge (Alimente) an den Ex-Partner oder an Kinder zahlt, kann diese vom steuerbaren Einkommen abziehen. Wer Kinder hat, profitiert ausserdem von Kinderabzügen sowie in vielen Kantonen von zusätzlichen Abzügen für externe Kinderbetreuung (Kita-Kosten), sofern beide Elternteile erwerbstätig sind. Diese Abzüge können je nach Familiensituation erheblich sein.
10. Gemeinde und Kanton bewusst wählen
Das klingt wie ein grosser Schritt – aber wer sowieso umzieht, sollte unbedingt die Steuerbelastung am neuen Wohnort prüfen. Die Unterschiede innerhalb der Schweiz sind enorm: Der Steuerfuss variiert zwischen verschiedenen Gemeinden und Kantonen so stark, dass zwei Personen mit identischem Einkommen und identischen Ausgaben je nach Wohnort mehrere tausend Franken pro Jahr Steuerunterschied haben können. Niedrig besteuerte Kantone wie Zug, Schwyz oder Nidwalden ziehen deshalb wohlhabende Personen an – aber auch innerhalb des Kantons Zürich oder Bern gibt es grosse Unterschiede zwischen teuren Städten und günstigeren Agglomerationsgemeinden.
Bonus: Optimiere die Auszahlung der Säule 3a und Pensionskasse
Nicht direkt ein jährlicher Abzug, aber langfristig enorm wirksam: Wer mehrere 3a-Konten führt und diese gestaffelt über mehrere Jahre auflöst, zahlt weniger Steuern auf das Vorsorgeguthaben als jemand, der alles auf einmal bezieht. Das liegt an der Steuerprogression: Mehrere kleinere Bezüge in verschiedenen Jahren werden separat und damit zu einem tieferen Satz besteuert als ein einziger grosser Betrag.
Wie viel kannst du tatsächlich sparen?
Das hängt von deinem Einkommen, deinem Wohnkanton und deiner Situation ab. Als grobe Orientierung: Wer die Säule 3a maximal einzahlt, Berufsauslagen konsequent geltend macht und Weiterbildungskosten sowie Versicherungen vollständig abzieht, kann je nach Situation die Steuerlast um 500 bis weit über 3 000 Franken pro Jahr senken. Bei einem Pensionskasseneinkauf sind in bestimmten Fällen sogar noch deutlich grössere Einsparungen möglich.
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